ZORN DER LÄMMER von Daniel Wehnhardt [Rezension]

In der Schule hatte ich Geschichte-Leistungskurs, in der VHS Geschichtswerkstatt durfte ich zwei jüdische Familien für das Buch “Juden in Arnsberg” recherchieren. Derart “vorbelastet” war es mir ein Bedürfnis, “HIER!” zu rufen, als Daniel Wehnhardt Blogger für ein Rezensionsexemplar von “ZORN DER LÄMMER” suchte. Vielen Dank an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar!

    • Taschenbuch: 352 Seiten
    • Verlag: Gmeiner-Verlag
    • ISBN: 978-3839228715
    • 14,00 EUR als Taschenbuch
    • 10,99 EUR als ebook (Stand: 24.05.2021)

 

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung: 

Sommer 1945. Die Überlebenden des Holocaust haben alles verloren. Ihre Heimat, ihre Familien, ihre Freunde. Erfüllt von grenzenlosem Hass geben einige wenige von ihnen dem gesamten deutschen Volk die Schuld an dem schwersten Verbrechen der Menschheit – der Ermordung von sechs Millionen Juden. Die Geburtsstunde der Nakam, einer jüdischen Untergrundorganisation. Fünfzig Männer und Frauen, die sich nach Vergeltung sehnen. Ihr Ziel: sechs Millionen für sechs Millionen – Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Mein Eindruck:

Selten hat mich ein Klappentext so aufs Glatteis geführt, wie bei “ZORN DER LÄMMER”. Ich hatte eine Geschichte erwartet, die nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einsetzt. Doch weit gefehlt: vielmehr versetzt Autor den Leser zunächst in die Zeiten des Wilnaer Ghettos. Auf eindrucksvolle und beklemmende Weise beschreibt er die Lebensumstände der dort existierenden Juden und Widerstandsbemühungen einiger Bewohner.

Hauptpersonen sind hier Abba Kovner, Vitka Kempner, Ruzka Korczak und Leipke Distel, die bei der Auflösung des Ghettos 1943 entkommen konnten und als Partisanen versuchen, die Deutschen zu sabotieren. Nach dem Krieg gehören sie zu denen, die Nakam (dt.: “Rache”) gründen – und versuchen, durch Anschläge Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Doch es gibt Kräfte, die versuchen, einen erneuten Massenmord zu verhindern.

Auf diese kaum bekannten Tatsachen beruht “ZORN DER LÄMMER” und Daniel Wehnhardt schafft es hier, den Leser von Anfang bis zum Ende des Buches zu fesseln. Hervorragend recherchiert stellt er nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Köpfe der Nakam dar. Geprägt von den Kriegsereignissen und den erlittenen Gräuel wird ihr Wunsch nach Rache durchaus nachvollziehbar; auch wenn die Konsequenz ebenso furchtbar ist, wie der Auslöser.

Durch die Tiefe, die die Personen erhalten, ergibt sich hieraus auch für den Leser ein moralisches Dilemma. Sollen Rache oder Gerechtigkeit folgen? Wie kann für diese Taten jemals Gerechtigkeit erlangt werden? Und so erwartet man gleichermaßen mit Fiebern und Bangen, ob der Plan gelingt.

Schon beim Lesen des Buches war man animiert, sich eingehender mit den Geschehnissen zu beschäftigen und sich weitere Literatur dazu einzuverleiben. Das wäre bei einem nicht so packenden Buch sicher nicht der Fall gewesen. 😉

Daniel Wehnhardt hat sich hier an ein vernachlässigtes Stück deutsch-jüdischer Historie gewagt und, meiner Meinung nach, ein sowohl spannendes als auch lehrreiches Werk wider das Vergessen geschaffen.

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