NICHTALLTÄGLICHES AUS DEM LEBEN EINES BEAMTEN und EINLADUNG ZUM KLASSENTREFFEN: Zwei Theaterstücke von Martin Schörle [Rezension]

Bei dem nächsten Buch wurde ich erneut an die Schulzeit erinnert. “Woyzeck” und “Macbeth” lassen grüßen. Mit “NICHTALLTÄGLICHES AUS DEM LEBEN EINES BEAMTEN” und “EINLADUNG ZUM KLASSENTREFFEN” hat Martin Schörle gleich zwei Theaterstücke in einem Buch veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar!

    • Taschenbuch: 119 Seiten
    • Verlag: Engelsdorfer Verlag
    • ISBN: 978-3960084082
    • 9,50 EUR als Taschenbuch
    • 4,99 EUR als ebook (Stand: 09.09.18)

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung: 

Der kabaretteske Monolog “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich in seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen, Dienstverordnungen, statistischen Erhebungen zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist.

Einladung zum Klassentreffen” In ihrer Schulzeit hatten Marina und Carsten eine Liebesbeziehung. Nach 20 Jahren soll ein Klassentreffen stattfinden. So meldet sich Carsten, einer der Initiatoren, auch bei Marina, deren Leben nach Schicksalsschlägen zeitweilig aus den Fugen geraten war. Die gemeinsame innige Zeit ist für sie längst Vergangenheit, ein Früher. Aber an Carstens Gefühlen hat sich anscheinend nichts geändert. Sein Anruf weckt auch bei Marina Erinnerungen. Das unverfänglich begonnene Telefonat führt beide in ein Wechselbad der Gefühle.

Mein Eindruck:

Bei dem ersten Theaterstück handelt es sich um einen Monolog von Hans Fredenbek. Er ist der Prototyp des klischeebehafteten Beamten, uneffektiv und penibel. Schon gleich sah ich vor meinem geistigen Auge Heinz Erhardt in seiner Paraderolle als “Willi Winzig” in seinem muffigen, fensterlosen Büro sitzen.

Obwohl verheiratet, scheint sein zuhause im Büro zu liegen. Denn man merkt ihm seine Überidentifikation mit seinem Beruf direkt an. So löst ein Radiergummi, der nicht an seinem vorgeschriebenen Platz liegt, eben diesen Monolog aus, in dem Hans Fredenbek dem Leser bzw. Zuschauer seine Weltanschauungen darstellt.

Hierbei kommt Fredenbek nicht nur von Hölzchen auf Stöcken, wie man in unseren Breiten gerne sagt, sondern auch seine Stimmungsschwankungen unterliegen keinen Gesetzmäßigkeiten. Vielmehr sind sie unvorhersehbar und reissen den Leser durch die cholerischen Ausbrüche mit und vermögen es ebenso, die leisen, nachdenklichen Töne zu transportieren.

Durch diese Wechselwirkung, die auch mit dem entsprechenden Wortwitz ausgestattet ist, hat Martin Schörle eine sehr lesenswerte Tragikomödie geschaffen, die aufgrund ihrer Länge allerdings eine Herausforderung für einen Schauspieler darstellen dürfte. Da Heinz Erhardt nun nicht mehr verfügbar ist, könnte ich mir hier auch bestens Markus Veith vorstellen.

“Einladung zum Klassentreffen”

Hier erlebt der Leser/Zuschauer, wie Carsten seine verflossene Jugendliebe Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen möchte. Er kontaktiert sie per Telefon und erwischt sie im IC auf dem Heimweg.

Der Dialog, der hierbei entsteht, wirkt recht lebensnah und sorgt somit dafür, dass man mit den Protagonisten mitfühlt. Trotz der Rückblicke in beider Vergangenheiten, die nicht immer recht freudvoll waren, ist dieser Dialog recht kurzweilig und lässt den Leser/Zuschauer mitunter ein Stück weit bangen, ob die beiden nun am Schluss zueinander finden werden.

Fazit: Auch wenn beide Stücke recht unterschiedlich sind, ist es Martin Schörle gelungen, die Leser sehr gut zu unterhalten und man bekam beim Lesen unweigerliche Lust darauf, diese Stücke auch einmal auf der Bühne zu erleben. Insofern gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, die sich nicht nur auf diejenigen erstreckt, die Theaterstücke gern in Schrftform lesen.

Weitere Eindrücke:

  • Die Lesebrille
  • printbalance
  • Cora´s Bücherkiste
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