Wo sind die Sterne?

Ich werde gelegentlich gefragt, warum ich bei meinen Rezensionen keine Bewertungsskala verwende, wie sie vielfach üblich ist.

Es gibt ja diverse Formen von Skalen. Am Beliebtesten sind hier sicherlich die Sterne. Doch es tummeln sich auch viele weitere Beispiele aus der Tier- und Pflanzenwelt, um das besprochene Buch entsprechend zu bewerten.

An sich ist das sicherlich eine hilfreiche Geschichte, um seinen Eindruck zum Buch wiederzugeben.

Ich habe mich für meinen Blog allerdings dagegen entschieden und zwar aus Gründen, die gerne erläutern möchte.

Zum Einen ist ein Autor für mich ein Künstler. Das Schreiben eines Buches ist ein kreativer Akt, den man meiner Meinung nach nicht bewerten kann. Wie will man denn Kreativität bemessen, und das vor Allem nach möglichst objektiven Gesichtspunkten?

Als Schüler im Kunstunterricht habe ich mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass ich mir eine schlechte Note eingehandelt habe, nur weil der Lehrer bzw. die Lehrerin nicht verstanden hat, was ich mit meinem „Kunstwerk“ ausdrücken wollte. Diese schlechte Note kam einer Zurückweisung gleich, die ich keinem Autoren zumuten möchte.

Ich selbst habe nie ein Buch geschrieben. Insofern kommt es für mein Empfinden einer Anmaßung gleich, dieses Buch dann hier in eine Skala pressen zu wollen.

Außerdem ist es für mich auch eine Frage des Respektes. Ich kann nicht ermessen, mit welchem Aufwand, mit welcher Intensität der Autor an seinem Werk gearbeitet und gefeilt hat. Und da ich dazu nicht in der Lage bin, dieses nachzuvollziehen, verzichte ich hier auf eine solche Vergabe.

Denn alleine dieser Aufwand wäre schon den ein oder anderen Stern, o.ä. wert.

Wie verfahre ich mit einem Buch, das mir absolut nicht gefällt? Habe ich das Recht, ihm schon alleine aus dem Grund wenige Sterne, Pömpel, oder Sonstiges zu verpassen? Sicher ist das einfach und schnell praktiziert. Doch ich bin der Meinung, dass ich mich doch erst einmal fragen sollte, ob das Buch vielleicht nicht zu mir gepasst hat.

Eventuell ist ja nicht das Buch das Problem, sondern ich als Empfänger mit meiner Erwartungshaltung. Wenn hieraus eine negative Bewertung entsteht, ist das meiner Meinung nach verfehlt.

Hinzu kommt der Punkt, dass ich mir mit der Rezension eines Buches ebenfalls Mühe gebe. Auch ich habe es gerne, wenn man wirklich liest, was ich dazu geschrieben habe. Bei einer Bewertungsskala habe ich die Befürchtung, dass man fix zur Skala hinabscrollt und sich dann verabschiedet.

Doch dafür habe ich den Text nicht geschrieben und ihn mehrfach umformuliert, bis es aus meiner Sicht passt. Ja, ich gestehe, auch ich möchte, dass meine Ergüsse wahrgenommen und nicht nur auf eine Skala reduziert werden.

Aus diesen Gründen verzichte ich hier auf meinem Blog auf die Vergabe von Sternen, Marienkäfern oder Gänseblümchen.

Und um zum Abschluss noch Eines klar zu stellen: ich verurteile niemanden für die Verwendung einer solchen Skala auf seinem Blog. Hier hat jeder seine persönliche Herangehensweise und die ist gut so.

Es geht mir darum, meine Sichtweise für meinen Blog zu definieren – und das ohne Versuch, jemand anderen missionieren zu wollen.

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