COUCHSURFEN DAS EXPERIMENT: WIRKLICH EIN BEQUEMES SOFA?! von Rached Kaiser [Rezension]

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse erhielt ich eine Einladung zum Meet & Greet von Rached Kaiser, der mir bis dahin vollkommen unbekannt war. Und obwohl ich leider aus beruflichen Gründen absagen musste, habe ich zu meiner Freude im Nachgang sein Buch “COUCHSURFEN DAS EXPERIMENT: Wirklich ein bequemes Sofa?!” zugeschickt bekommen.

    • Taschenbuch: 209 Seiten
    • Verlag: Kaiser Verlag
    • ISBN: 978-3000561719
    • Preis: 12,90 EUR

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung: 

SICH SPIEGELN IM ANDEREN
Sich einfach in die Fußgängerzone setzen, Leute beobachten und sich darüber freuen, dass ggf. die Eine oder Andere spontane Gesprächssituation entsteht, das könnte schön sein. Ich könnte mir aber auch irgendein Haus aussuchen, irgendwo klingeln und dann den jeweiligen Bewohner fragen ob ich denn für ein paar Tage bei ihm übernachten könnte. Ich sage ihm, dass ich auf Durchreise bin und da ich ein recht spontaner und weltoffener Typ bin, frage ich ihn jetzt einfach. Gut, dass es für solche Vorhaben das Internet gibt.

In diesem Buch sind 12 der knapp 90 kuriosesten menschlichen Begegnungen niedergeschrieben, die unbedingt an die Öffentlichkeit losgelassen werden müssen. Durch das Experiment, stehen die Zufallsbegegnungen im Vordergrund, einhergehend mit allen erlebten Gefühlslagen. Es zeigt einen Teil der menschlichen Lebenssituationen, deren Abgründe, aber auch die schönen Dinge des Lebens.
Man wird zu einem Beobachter und beginnt sich durch die Begegnungen mit seinem eignen Dasein zu beschäftigen und zu vergleichen. Dennoch stehen die Geschichten für sich selbst und jeder kann sich selber, seine eigenen Informationen daraus ziehen.

Mein Eindruck:

In diesem autobiographischen Werk berichtet Rached Kaiser über sein Experiment, in 1 1/2 Jahren mit Hilfe der Couchsurfing-Community durch Deutschland zu reisen. In seinem Buch berichtet er über 12 der kuriosesten Begegnungen, die ihm dabei widerfahren sind.

Für diejenigen, die mit Couchsurfing an sich nichts anfangen können, bemühe ich hier einmal Wikipedia:

CouchSurfing ist ein kommerzielles und internetbasiertes Gastfreundschaftsnetzwerk. Die Mitglieder nutzen die Website, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden, selbst eine Unterkunft oder auch anderes anzubieten, wie beispielsweise einem Reisenden die Stadt zu zeigen.

Nach seiner ersten Couchsurfing-Erfahrung in Schwerin stellt Rached Kaiser ein 8 Punkte umfassendes Regelwerk auf, welches so aussieht:

1. Ich couchsurfe nur in Städten mit max. 200.000 Einwohner.
2. Ich bleibe maximal zwei Nächte in einer Stadt.
3. Sollte ich in einer Stadt keinen Host finden, übernachte ich definitiv im Bus.
4. Ich schreibe alle Hosts nach dem letzten Login chronologisch an, auch wenn sie überhaupt kein Profilbild besitzen oder sonst irgendwelche Informationen über sich.
5. Der erste Host der mir zusagt, egal wer es auch sein mag, wird es definitiv.
6. Ausnahme: Sollte der Host unter 21 Jahre alt sein, werde ich nur dann beim ihm übernachten, wenn er noch bei seinen Eltern wohnt.
7. Ich bleibe, auch wenn es mir nicht gefällt.
8. Von dem jeweiligen Host, lass ich mir je nach Gefühl, sein Lieblingsbuch, seine Lieblingsmusik oder seinen Lieblingsfilm empfehlen.
“.

Derart präpariert nimmt Rached Kaiser den Leser mit auf seine Fahrt. Jedem Host widmet er in seinem Buch ein Kapitel, welches zum Einstieg das Couchsurfing-Profil darstellt und dann mit seinen Erfahrungen fortsetzt.

Die Hosts, die er dabei kennenlernt, sind originellerweise ausnahmslos Frauen. Ob man daraus schliessen muss, dass Männer langweiligere Hosts sind, oder ob sich Rached Kaiser diese für einen Nachfolgeband aufgehoben hat weiss ich an dieser Stelle nicht. 😉 Auf alle Fälle sind die Charaktere der Frauen ebenso breit gefächert, wie das Altersspektrum, das von 18 – 69 Jahre reicht.

Die Palette seiner Begegnungen reichen von einer sexuell aufgeschlossenen Kleinwüchsigen, über die Tochter einer allein erziehenden Mutter bis hin zu einer recht hippen betagten Dame, um nur einmal drei Beispiele zu nennen. Das Ganze hat auch durchaus etwas von Star Trek: “to boldly go…where no man has gone before”.

In seinen kurzen Geschichten bzw. Erfahrungsberichten schafft es der Autor, seine Begegnungen sehr plastisch zu beschreiben, so daß man als Leser meinen könnte, sich quasi auf dem Beifahrersitz seine VW-Busses zu befinden, mit ihm durch die Lande zieht und die Hosts selber trifft.

Auch wenn das Buch sehr kurzweilig und grundsätzlich heiter angelegt ist, bleiben auch negative Erfahrungen nicht unerwähnt, die gerade Regel 7 auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Auch gibt es nachdenklich machende Passagen. Durch diesen Facettenreichtum ist das Buch in meinen Augen auch ein wunderbarer Spiegel unserer Gesellschaft.

Was die Couchsurfing-Community der Gesellschaft allerdings voraus hat, ist das Vertrauen, was hier fremden Gästen entgegen gebracht wird.

Alles in Allem ist “COUCHSURFEN DAS EXPERIMENT” ein sehr gelungenes Buch, welches über die Couchsurfer-Gemeinde hinaus gerne gelesen werden darf. 😉

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